„Sollen wir die Teleskope dort drüben aufstellen?“ Ich hatte Thomas erst kurz zuvor kennengelernt. Er war der Vorsitzende der Karlsruher Amateurastronomen. Die Sonnenfinsternis. Ein Himmelsereignis das Menschen aus aller Herren Länder verbindet. Wir trafen uns in einem kleinen Dorf im Süden von Leon und bauten unser Equipment auf. Ein Mann mit seiner Familie aus Paris gesellte sich zu uns. Das ganze Dorf hatte sich versammelt und wartete auf das Naturschauspiel. Eine Spanierin erzählte uns das ihr Großvater die letzte Sonnenfinsternis in Spanien im Jahr 1906 beobachtet hatte. Warten. Der Schatten des Mondes berührte in der Zwischenzeit die Laptew See und die nahezu unbewohnten Taimyr Halbinseln im Norden Sibiriens. Es ist 18.59. Anschließend überquert er mit doppelter Schallgeschwindigkeit den arktischen Ozean Richtung Grönland. Den Nordpol verpasst der Mondschatten um 110 Kilometer. Um 19.14 erreicht der Mondschatten die Nordspitze Grönlands. In 24 Minuten überquert er die große Insel. Über den Nordatlantik geht es Richtung Island. Nach über 7.000 Kilometern Reise erreicht der Mondschatten schließlich Spanien. Um 20.28 verfinstert sich komplett das Feld südlich von Leon an meinem Standort. Der Tag wird zur Nacht. Ein gleißend weißer Ring hängt über einen einsamen Baum. Unwirklich. Ein Einblick ins kosmische Uhrwerk. Nirgendwo im Sonnensystem gibt es sonst diesen Anblick. Vielleicht nirgendwo sonst in unserer Galaxis. Nur auf der Erde. Ein Einblick ins kosmische Uhrwerk. Wie auch der Mondschatten auf der Erde wandert so haben sich viele Eclipse Jäger aus der ganzen Welt aufgemacht um dieses Schauspiel, das nur in einem etwas über hundert Kilometer breiten Streifen zu sehen ist, beizuwohnen. Und so feiern die Bewohner aus unterschiedlichen Gegenden unseres Planeten dieses fantastische Schauspiel. Die Vereinigung von Sonne und Mond.











