Der Pferdekopf im Gürtel des Orion

Das Nichts. Es kommt in vielen Facetten im Weltraum vor. Der Schatten des Mondes. Der Ereignishorizont eines schwarzen Lochs. Dunkle Materie die alles zusammenhält. Und dann gibt es noch die Dunkelwolken zwischen den Sternen. Doch genaugenommen sind diese Wolken nicht Nichts. Sie bestehen aus dem besten Vakuum, das wir hier auf der Erde herstellen können. 300 Moleküle pro Quadratzentimeter. Unglaublich wenig. Und man sieht sie selten. Meist mitten in der Milchstraße liegend verschlucken sie das dahinterliegende Licht von Sternen und Emissionsnebeln.

Das Gebilde hier in dieser Aufnahme befindet sich in einem der schönsten Plätze des Himmels – im Gürtel des Orion. Der hellste Stern im Bild ist Alnitak. Er ist der östlichste der drei Gürtelsterne. Ein Riese. Genaugenommen besteht er aus einem Dreifachsystem. Der Hauptstern ist ein blauer Überriese. 21.000 mal so hell wie die Sonne. 20 mal größer. Wahrscheinlich wird er in einer Million Jahre als Supernova vergehen. Doch er ist nicht für das rote Glühen der Nebel in dieser Aufnahme verantwortlich. Der Nebel am linken Bildrand, Flammennebel genannt, wird durch einen Riesenstern in seinem inneren zum Leuchten angeregt. Der rötliche Teil des Nebels nach rechts wird als IC434 bezeichnet. Doch etwas verdeckt ihn – ein dunkles Gebilde, eine dunkle Staubwolke. Sie hat die Form eines Pferdekopfs und wird daher Pferdekopfnebel oder auch Barnard 33 genannt. Eines der berühmtesten Flecken am Sternenhimmel. Der Platz ist kalt – sehr kalt, nur 10 Grad über dem absoluten Nullpunkt, minus 263 Grad Celsius. Kalte Wolken fallen leichter in sich zusammen, bilden dadurch neue Sterne. Es sind einige Sternembryos im Innern des Nebels entdeckt worden. Der dunkle Komplex wurde gleich nach der Anwendung der Fotografie in der Astronomie entdeckt, und zwar im Jahr 1888 von der schottischen Astronomen Williamina Flemming vom Harvard Institut, damals die Hochburg der astronomischen Forschung. Der Nebel wird sich nach und nach auflösen und seine Sternenkinder freigeben. Wir haben das Glück im Moment einen Pferdekopf zu sehen!

Unterhalb des Pferdekopfs findet man einen blauen Fleck. Hier wird Sternenlicht an Staubkörnern gestreut – ein Reflektionsnebel schimmert. Man hat hier alle 3 Nebel vereint. Einen Dunkelnebel, der Licht verschluckt. Einen Emissionsnebel, der durch energiereiches Sternenlicht zum Leuchten angeregt wird. Und einen Reflexionsnebel, bei dem Sternenlicht an Staubkörnern gestreut wird. Eine wundersame Komposition von Sternenlicht, Gas und Staub!