Das glühende Band der Milchstraße besteht aus hunderten Milliarden Sternen. Doch nicht nur. Auch Gas und Staub verdecken dahinterliegende Objekte. Eines Abends nahm ich mir vor den Schleier der Milchstraße zu lüften und ein solch verstecktes Objekt abzulichten. Die Hidden (versteckte) Galaxie wie sie genannt wird im Sternbild Giraffe. „Was machte ich hier?“ dachte ich am Rand der Verzweiflung. Das Teleskop musste neu kalibriert werden. Die Kamera switchte eigenmächtig zwischen Dateiformaten. Gelsen hatten mich als Opfer auserkoren. Ich war müde, es war weit nach Mitternacht. Nur um stundenlang ein Bild zu belichten auf dem ein paar Sterne zu sehen waren. Und sonst nichts. Eigentlich sollte hier eine Galaxie zu sehen sein – aber da war aber nichts, trotz Kontrasterhöhung zu sehen. Okay, ich wusste es würde nicht einfach werden, schließlich hieß die Galaxie „Hidden Galaxy“ im Englischen versteckte Galaxie. Die scharfäugigen Astronomen des 18. Jahrhunderts, wie zum Beispiel Sir Wilhelm Herschel, blieb für sie verborgen. Sie ist eigentlich eine der nächsten Galaxien mit „nur“ 11 Millionen Lichtjahren Entfernung. Mit 75.000 Lichtjahren Durchmesser ist sie groß genug, um eigentlich mit dem freien Auge gesehen zu werden. Eigentlich. Doch unsere Heimatgalaxie verdeckt sie. Man sieht auch die unzähligen Sterne unsere Milchstraße, die vor der Galaxie liegen. Sie zeigt einen hellen Kern, in dem gerade viele neue Sterne entstehen, ein schwacher Balken liefert das dazugehörende Material ins Galaxienzentrum. In den Armen sieht man feine Knötchen, neu entstandene Sternhaufen. Dunkle Staubbänder in den Spiralarmen werden gerade zu neuen Sternengenerationen verdichtet. Das Zentrum enthält ein supermassives schwarzes Loch. Aufgrund der Nähe ist IC 342, wie sie auch genannt wird, ein ideales Labor für die Beobachtung von Galaxien. Am Meisten fasziniert mich der goldene Glanz der Galaxie – hervorgerufen durch den Staub unserer Milchstraße, welcher der Galaxie einen eigenen Zauber verleiht.


