Die Reise von der Erde zum Mond – Claviuskrater

Ich war enttäuscht. Ich wusste schon das die Artemis II Mission keine Landefähre dabei hatte. Keine Landung war vorgesehen. Aber das die bemannte Mission nur um den Mond fliegt und nicht in einen Orbit einschwenkt hatte ich vorigen Herbst erfahren. Sogar Apollo 8, die erste Erkundung des Mondes durch Menschen, hatte 10 Orbits um den Mond zurückgelegt. Dann, am 1.April 2026, startete die SLS Rakete. Durch die 24 Stunden Berichterstattung durch die NASA lernte man die äußerst sympathische Besatzung kennen. Flog Apollo 8 zu Weihnachten noch den Mond erfolgte die nächste Annäherung bei Artemis II am Ostersonntag.

Bald gab es den ersten Rekord, mit 406.000 Kilometern entfernten sich die Astronauten am weitesten in der Geschichte von der Erde. Dann kam die Mondumrundung – und ich war begeistert! Die Schilderungen der Astronauten aus der menschlichen Perspektive erzeugten Gänsehaut. Sie kamen einem Gebiet nahe das wir Menschen von der Erde aus normalerweise nicht sehen – das Mare Orientale auf der erdabgewandten Seite. Dann näherte sich die Orion Kapsel der hell/dunkel Grenze auf dem Mond, dem Terminator. Der Astronaut Viktor Glover beschrieb ganz aufgeregt seine Eindrücke: Glover sagte, dass das Beeindruckendste, was er bisher bei diesem Mondvorbeiflug gesehen habe, der ‚Terminator‘ des Mondes sei, die Linie, die seine beleuchtete Seite von der im Dunkeln liegenden Seite trennt. „Mann, ich liebe den Terminator“, funkte er zur Missionskontrolle. „Es gibt einfach so viel Magie im Terminator – die Lichtinseln, die Täler, die wie schwarze Löcher aussehen. Man würde direkt zum Zentrum des Mondes fallen, wenn man auf einige davon treten würde. Es ist einfach so visuell fesselnd.“ Glover fügte hinzu, dass er bisher die meiste Zeit damit verbracht habe, den Terminator zu beobachten, darüber nachzudenken und ihn in seinen Notizen zu beschreiben. Zu dieser Aufnahme in diesem Post: Hier konnte ich auch den Terminator ablichten – den Sonnenaufgang im Clavius Krater. Der Krater liegt in der verkraterten Südhalbkugel des Mondes. Er ist einer der größten und ältesten Einschlagskrater auf dem Mond, mit kleineren Kratern in seinem Innern zu sehen. 4 Milliarden Jahre alt. Bis zu 3,5 Kilometer tief. Die NASA konnte Wassermoleküle in seinem Inneren nachweisen. Das Bild konnte ich mit einem C11 Teleskop aufnehmen. Man braucht kein großes Budget um zum Mond zu reisen, schon ein kleines Teleskop offenbart diese uralte Mondoberfläche. Der Clavius Krater war übrigens auch der Ort der Mondbasis im SCi Fi Klaasiker „2001 – Odyssee im All“. Und es gab tatsächlich einen für mich persönlichen 2001 Moment in dieser Mission: Als die Crew in den Mondschatten eintrat gab es einen unwirklichen Anblick – eine totale Mondfinsternis. Und nicht weniger als Sci Fi hörte man von der Astronautin Christina Cook: „„Als wir dieses Manöver in Richtung Mond starteten, sagte ich, dass wir die Erde nicht verlassen, sondern sie wählen. Und das ist wahr. Wir werden erforschen. Wir werden bauen. Wir werden Schiffe bauen. Wir werden wieder besuchen. Wir werden wissenschaftliche Außenposten errichten. Wir werden Rover steuern. Wir werden Radioastronomie betreiben. Wir werden Unternehmen gründen. Wir werden die Industrie stärken. Wir werden inspirieren. Aber letztendlich werden wir immer die Erde wählen. Wir werden immer einander wählen.“ — Artemis-II-Astronautin Christina Koch. Ein rührender Moment für die Artemis Crew und alle Menschen die es mitverfolgten, war als ein Krater nach der 2020 verstorbenen Frau des Kommandanten, Carroll, benannt wurde.

Was bleibt von dieser Mission? Hoffentlich die Einsicht das wir bestmöglich zusammen auf diesem kleinen blauen Planeten leben sollen. Nicht sofort. Aber vielleicht sickern die Aufnahme der untergehenden Erde langsam ins menschliche kollektive Gedächtnis. Wie damals, als 1968 das Apolllo das berühmte „Earthrise“ Bild für viele der Startschuss für die Umweltbewegung darstellte.