Am 28.April 2001 wurde die Vulkanlandsternwarte eröffnet. 25 Jahre! Unser Ziel ist es der breiten Öffentlichkeit das Thema Astronomie und Raumfahrt näherzubringen.
„Dieser Ort ist perfekt“. Hannes und ich hatten in dieser sternenklaren Nacht schon zwei Orte besucht. Der Hügel bei ihm zu Hause und eine Wiese in der Nähe der Mostschenke Nestelberger. Wir waren auf der Suche nach dem Standort der Vulkanlandsternwarte. Das Sternbild Löwe stand majestätisch hoch im Süden, der große Wagen stand senkrecht und kreiste wie seit Jahrtausenden um den Polarstern. Ich hatte Hannes Schmid erst vor Kurzem kennengelernt. Er war Amateurastronom und hatte ein großes Dobson Teleskop. Kennengelernt hatten wir uns über Dr. Emmerich Frühwirt Er war es, der im Gemeinderat auf die Frage „was machen wir mit einer Million Schilling?“ geantwortet hatte „Eine Sternwarte bauen!“ und somit das ganze Projekt angestoßen hatte. Bürgermeister Ing. Josef Ober macht uns darauf aufmerksam das hier auf dem Rosenberg eine Heurigenschenke gebaut wird und eine Kombination ideal wäre. Der Himmel war eine Stufe dunkler als anderswo. Ich dachte nur wie lange würde es so dunkel an diesem Ort bleiben? Wir schrieben das Jahr 1996, die sich am Himmel bewegenden Discostrahler waren damals zu sehen.
Der Standort wurde festgelegt, mit dem Bau wurde begonnen. Wir wären bei der Bestellung der Astrokuppeln fast auf einen Betrüger in Deutschland hineingefallen, der nur Anzahlungen kassierte und nichts lieferte. Aber durch regen Austausch mit anderen Amateurastronomen in Österreich konnte der Betrug verhindert werden.
Das Ziel der Vulkanlandsternwarte war und ist es der breiten Öffentlichkeit das Thema Astronomie und Raumfahrt näherzubringen. Niemand hat je mehr dafür getan als die ehemaligen Obmänner des Astroclubs, Hannes Schmidt und Dr. Emmerich Frühwirt. Sie haben an jedem schönen Freitag und auch an anderen Tagen in der Woche die Führungen oft für 3 Gruppen, manchmal auch nur für 2 Personen durchgeführt. Und wir konnten viele Beobachtungen durchführen. 25 Jahre. Da hat sich allerhand angesammelt. Begonnen hat alles als noch die Vulkanlandsternwarte im Bau war. Im August 1999 gab es die totale Sonnenfinsternis. Ironischerweise war die Vulkanlandsternwarte genau nicht mehr im Kernschatten, in Feldbach selbst konnte man noch 30 Sekunden Totalität erwarten. Weiter ging es mit einer partiellen Sonnenfinsternis 2003. Auch Mondfinsternisse, bei den der Mond wie ein dunkler Planet auf dem Sternenhimmel konnten wir beobachten.
Bei dem vielleicht seltensten Himmelsschauspiel hatten wir gleich zweifaches Wetterglück – der Vorbeizug des Planeten Venus vor der Sonnenscheibe. 2004 und 2012 zog eine große, schwarze Scheibe vor der Sonne vorbei. Dieser Abstand von 8 Jahren war normal. Das nächste Mal würde es erst wieder im Jahr 2117 zu sehen sein! War dieser Transit früher für die Vermessung des Sonnensystems sehr wichtig, so erinnerte er uns jetzt an die Entdeckung von Exoplaneten um andere Sterne! Wird bei diesen Transiten das Licht des Sterns nur im Promillebereich abgeschwächt so verdunkelte die Venus unseren Heimatstern doch deutlich. 2016 konnten wir den Vorbeizug des Planeten Merkur vor der Sonnenscheibe beobachten. Auch eindrucksvoll, kommt aber öfter vor.
Und überhaupt die Sonnenaktivität. Bei der totalen Sonnenfinsternis konnten wir erstmals die Protuberanzen sehen – wir waren gefesselt. Ein Sonnenteleskop musste her, bei dem wir die Protuberanzen immer sehen konnten. Mit dem Coronado Helios wurde ein guter Kauf getätigt, bald konnten wir C-Flares einfangen. Bei einem der erst eingefangenen Bilder im Ha Licht gab es eine riesige Überraschung. Ein paar Stunden nach der Aufnahme ging der bisher gewaltigste Flare seit Beginn der Aufzeichnung von der Sonnenoberfläche los – Im Oktober 2003 konnten wir Polarlichter von der Sternwarte aus sehen!
2003 war ein überaus gutes Jahr für die Sternwarte. Mars näherte sich bis auf 56 Millionen Kilometer an die Erde an und wurde zum Publikumsmagneten! Wir konnten die Polkappen und dunkle Wüstengebiete auf den hochstehenden Planeten zeigen. Im Jahr 2006 schlug ein Asteroid oder Komet wieder auf dem Jupiter ein – nach dem einmalig historisch geltenden Einschlag des Kometen Shoemaker – Levi im Jahr 1994. Die Aufnahme war nicht sehr spektakulär, jedoch erschien ein schwarzes Wölkchen im Polgebiet des Gasriesenplaneten. Auch die Schattenwürfe der Monde auf Jupiter begeisterten uns und unsere Besucher. Der schönste Gasriesenplanet, Saturn, zeigte um 2005 seine größte Öffnung seines Ringsystems. Uranus und Neptun konnten von uns gesichtet werden. Brauchte ich noch als Jugendlicher einen ganzen Sommer um Uranus aufzuspüren kam ich mit der neuen computergesteuerten GOTO Montierung innerhalb von Minuten auf die richtige Position.
Waren die Kometen Hale Bopp und Hyatukake im Jahr 1996 Schuld das ich wieder zur Astronomie zurückgefunden habe gab es über 20 Jahre keinen hellen Schweifstern mehr. Erst 2020 kam mit NEOWISE ein heller Komet an den Morgen/Abendhimmel. Das vielleicht unheimlichste Objekt, das ich auf der Sternwarte beobachten konnte, war der Halloween Komet Holmes. Im Herbst 2007 brach ein Stück von ihm ab, er steigerte seine Helligkeit um das 500.000-fache!
Im Jahr 2004 konnten wir die erste Supernova in einer fremden Galaxie, NGC 2403, ablichten. Es sollten noch viele Beobachtungen der explodierenden Sterne folgen, so in Messier 51 (gleich zwei Mal, im Jahr 2005 und 2011), Messier 108, Messier 61, Messier 108, Messier 100, Messier 101 und noch ein paar weitere. Unser Ziel, eine Lichtkurve über Tage dieser Supernovae aufzunehmen konnten wir nicht erreichen, vielleicht gelingt uns das in Zukunft mit ferngesteuerten Teleskopen auf der Sternwarte.
Ein besonderes Projekt startete Hannes Schmidt mit dem Planetenwanderweg. Er errichtete es im Zuge eines Workcamps mit Jugendlichen aus 9 Nationen und aus der Region. Der Planetenwanderweg führt von der Vulkanlandsternwarte, wo die Sonne steht, bis zum Zwergplaneten Pluto, dessen Station beim Schloss Kornberg steht. Der gesamte Planetenwanderweg ist 5,9 Kilometer lang und das Sonnensystem ist im Maßstab 1 : 1 Milliarde abgebildet. Jede Station besteht aus einem Bild des Himmelskörpers, die Beschreibung findet man auf einer Messingplatte, die auch in Brailleschrift geschrieben stand.
Auch bei Öffentlichkeitsprojekten haben wir mitgewirkt. Das vielleicht erfolgreichste startete in Zusammenarbeit mit der NASA. Im Earthkam Projekt, bei dem wir 2014 bis 2025 teilnahmen, konnten Schüler Ziele auf der Erde eingeben. Diese wurden dann von einer handelsüblichen Nikon Kamera aufgenommen – von der internationalen Raumstation ISS aus! Michael Schmid nahm mit dem BORG Jennersdorf an unzähligen Missionen teil.
Ein anderes Öffentlichkeitsprojekt der NASA war nicht weniger eindrucksvoll. Man konnte mit Hilfe von Google Mars – das Gegenstück von Google Earth – Ziele auf der Marsoberfläche aussuchen! Diese wurden dann mit dem MRO, dem Mars Reconnaissance Orbiter, beobachtet. Technisch gesehen ein Spionagesatellit in der Marsumlaufbahn. Wir suchten hier einen ca. 1 km großen Einschlagskrater aus der sich im Kasei Vallis, einem riesigen Tal befindet, der durch eine epische Wasserflut entstanden ist, aus.
Am vielleicht wichtigsten Projekt nahmen wir 2008 teil. Es entstand unsere erste wissenschaftliche Arbeit daraus. Im Zuge des „Universum im Koffer“ Projekt der Universitätssternwarte Wien beobachteten wir mit dem koffergroßen Weltraumteleskop MOST der europäischen Weltraumagentur ESA. Das 28 cm durchmessende Weltraumteleskop wurde dabei auf das kataklystische Doppelsternsystem TT Ari gerichtet. Hier umkreist ein kleiner weißer Zwerg einen roten Zwergstern und saugt Materie von diesem ab. Dadurch entstehen Helligkeitsvariationen, die wir vermessen konnten. Ohne unserem Ehrenmitglied Jörg Weingrill, der damals beim österreichischen Institut für Weltraumforschung angestellt war, hätten wir die Auswertung nie geschafft, es hätte keine wissenschaftliche Arbeit gegeben. Ich werde nie vergessen, als wir bei einem Arbeitstreffen auf der Universitätssternwarte Wien von Neptungroßen Exoplaneten hörten, sie wurden damals noch geheim gehalten.
Weil wir von Veröffentlichungen sprechen: Unser Ziel ist es ja wie eingangs erwähnt Astronomie unter die Leute zu bringen. Über hundert Bericht in den Medien Kleine Zeitung, Sterne und Weltraum, Woche, Süd Ost Journal, Gaudium und Star Observer konnten wir bis jetzt verzeichnen.
Bei Veröffentlichungen dürfen wir auch nicht auf unseren Astrokalender vergessen. Er wird seit nunmehr unterbrochen 23 Jahren veröffentlicht. Das Besondere an ihm ist nicht nur das alle Fotos von Mitgliedern des Astroclubs gemacht werden. Es gibt zu fast allen Tagen Erinnerungen aus Astronomie und Raumfahrt, sowie aktuelle Planetensichtbarkeiten, Sternschnuppenströme sowie Konstellationen. Wir haben einen Stammkundenkreis, der unseren Kalender bezieht.
Aber unser Hauptbetätigungsfeld für die Allgemeinheit ist und bleibt der Führungsbetrieb auf der Sternwarte. Es gibt nichts schöneres als Schulkinder das Universum näherzubringen und die einem Fragen über Fragen stellen. Oder oft kommen ältere Menschen, die zum ersten Mal die Ringe des Saturn mit eigenen Augen sehen. Manche Leute gehen mit einem komplett anderen Weltbild von der Sternwarte. Das treibt mich an.
Was wird die Zukunft bringen? Ich bin der festen Überzeugung das die Menschheit kurz davor ist dauerhaft in den Weltraum vorzustoßen. Schon bald mit einer Mondstation. Neue Teleskope im Weltraum und auf der Erde bringen enorme Datenmengen und damit verbunden neue Erkenntnisse. Vielleicht schon in ein paar Jahren werden wir Spuren von Leben im Weltraum feststellen können. Dadurch wird das Interesse an unserer Arbeit größer werden. Wir hoffen das 25-jährige Jubiläum mit einem für die Sternwarte wichtigen Schritt abzuschließen – einem Vortragsraum mit sanitären Einrichtungen und Lagerraum. Das Projekt trägt den Arbeitstitel „Keplerstation“. Geplant ist auch eine Feuerkugelkamera, mit der wir helle Sternschnuppen aufzeichnen können und im Verbund mit anderen Sternwarten sogar die genaue Flugbahn berechnen können. Ferngesteuerte Teleskope werden uns längere Belichtungszeiten bescheren sowie die Überwachung von veränderlichen Sternen.
Es wird spannend werden. Vor 25 Jahren sind die fleißigen Roboter noch gar nicht auf dem Mars gelandet. Vom James Webb Teleskop konnten wir nur träumen. Wir begannen gerade mit der Farbfotografie von Himmelsobjekten, das Zerlegen von Sternenlicht oder ein Planetarium wären für uns Science-Fiction gewesen, inzwischen ist es Realität.
Und so freuen wir uns auf die nächsten 25 Jahre mit schönen Erlebnissen unterm Sternenhimmel!

























